Kardzhali
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Traditionen und Folklore

Gergiovden ist eines der größten Frühlingsfeste in Bulgarien. Es wird am 6. Mai gefeiert und fällt mit der Blütezeit der Natur zusammen, deshalb nennt man ihn noch Zweten Georgi (bunter Georg). Das ist der Tag des heiligen Georg, des Beschützers der Hirten und der Schafherden. In der Nacht auf Gergiovden und an demselben Festtag werden verschiedene Bräuche und Rituale ausgeführt, die das Ziel haben sollen, die Gesundheit der Menschen, den Wurf der Haustiere zu sichern und die Milch, das Hauptprodukt der Schafe, zu schützen. Das Traditionsgericht, das für das Fest Gergiovden zubereitet wird, ist ein ganzes gebratenes Lamm.

Velikden (Ostern) ist der Tag, an dem alle Christen in Bulgarien die Auferstehung Jesu Christi feiern. Es wird drei Tage gefeiert – am Sonntag, Montag und Dienstag. Die Woche vor Ostern nennt man die Karwoche, das sind die Tage der Leiden Christi. In der bulgarischen orthodoxen Tradition wird jeder der Karwochentage auf verschiedene Weise gekennzeichnet:
• An den ersten drei Tagen (dem stillen Montag, dem stillen Dienstag, dem stillen Mittwoch) wird das Haus sauber gemacht, was symbolisch die Erlösung der Menschen von den Sünden bedeutet und Gesundheit bringen soll.
• Am Gründonnerstag werden die Ostereier gefärbt, wird nicht gearbeitet, damit man sich vor Hagel schützt.
• Am Karfreitag werden in Westbulgarien die gefärbten Eier mit verschiedenen Motiven (gegen Krankheiten und Tod) geschmückt, und es wird auch nicht gearbeitet. Dieser Tag ist der traurigste Karwochentag, der Tag, an dem Jesus Christus ans Kreuz geschlagen wurde.
• Am Karsamstag besuchen die Frauen den Friedhof, gießen Wein und Wasser auf die Gräber, beweihräuchern sie und geben gefärbte Eier und Brot für die Seelen der Toten aus. Gewöhnlich wird an diesem Tag das rituelle Osterbrot gebacken.
Am Karsamstagabend wird vor Mitternacht Gottesdienst gehalten. Pünktlich um 24 Uhr verkündet der Geistliche die Auferstehung Jesu Christi mit den Worten: “Hristos Voskrese!” (Christus ist auferstanden). Bei der Verkündigung der Auferstehung holt der Geistliche eine Kerze, an der alle Anwesenden ihre Kerzen anzünden und sie nach Hause tragen.

Enjovden (Johannistag) ist eines der wichtigsten Sommerfeste im Volkskalender. Es wird am 24. Juni gefeiert, dem Geburtstag des Heiligen Johannes des Täufers nach dem kirchlichen Kanon. In der bulgarischen Tradition reiht sich Enjovden seiner Bedeutung nach an Weihnachten, Ostern und Gergiovden an, aber von allen bewahrt er den stärksten heidnischen Einfluss. Mit Enoivden ist viel Aberglauben an die Sonne, das Wasser und die Heilpflanzen verbunden. Der Johannistag ist der Tag der Heilkräutersammler. Man nennt ihn noch “den Hochsommer”, “den Tag der Sonne”, weil er mit der Sommersonnenwende zusammenfällt. Nach dem Volksglauben “spielt oder schwingt die Sonne”, wenn sie an diesem Tag aufgeht. Die Heilpraktiker behaupten, dass die Heilkräuter, die man früh am Johannistagmorgen pflückt, die größte Heilkraft besitzen. Die Menschen besteigen die hohen Berge und lesen aus den von ihnen geworfenen Schatten ihre Gesundheit. Man glaubt, dass das Wasser in der Nacht auf das Fest auch eine besondere magische Kraft bekommt. Zum Heilen oder Wahrsagen soll man beim Sonnenuntergang “stilles” Wasser in voller Ruhe aus einer süßen Quelle schöpfen, damit es seine magische Kraft nicht verliert. Von diesem Tag an beginnt die Sonne langsam zu “sterben”, und der Winter kommt näher.

Kindertaufe. Wenn die Babys 40 Tage alt werden, wird ein “reines Gebet” gesprochen, womit das Kind in das Gotteshaus eingeführt wird. Und wenn das Kind ein Jahr alt wird, wird es in einer orthodoxen Kirche getauft. Dem Kind wird ein Taufschein ausgestellt. Nur mit einem solchen Schein darf sich später der Erwachsene – Mann oder Frau – in der Kirche trauen lassen.

Wenn das Kind seine ersten Schritte macht, wird vor ihm ein Rundbrot gerollt, damit das Kind nicht stolpert, wenn es läuft, und ein glückliches Leben hat.


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